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Kooperationsveranstaltung mit der FOM Hochschule in München am 27. April 2017

Aufsichtsräte in Deutschland „Diversität wird Normalität“


Bei einer hochkarätigen Veranstaltung der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) und der FOM Hochschule konnten sich rund 80 Gäste in München ein differenziertes Bild von der Arbeit erfahrener Aufsichtsrätinnen machen. Aus eigenen Erfahrungen in verschiedenen Aufsichtsräten berichteten Dr. Heike Hanagarth (Lanxess AG), Dr. Marita Kraemer (UniCredit Bank AG), Renate Braun (Donner & Reuschel AG) und Sonja Zollner (Nokia Solutions & Networks Management GmbH).

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Marcus Helfrich, wissenschaftlicher Studienleiter Master/MBA, und Sabine Schaedle, Regionalvorstand FidAR Süd, sprach zunächst FidAR-Vizepräsidentin Elke Benning-Rohnke über die Chancen der Einflussnahme von Frauen auf die gute Umsetzung des Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe. „Ich wünsche mir, dass all die Frauen, die in Konzernen arbeiten, genauer auf die Zusammensetzung der internen Aufsichtsräte schauen und  versuchen eine paritätische Besetzung zu erwirken. Und ich würde mir wünschen, dass jede Frauen, die selbständig oder in führenden Positionen tätig ist, jeden Monat einen Mann für FidAR gewinnt und jede Woche eine Frau weiter empfiehlt. Das ist der Lagarde-Ansatz", sagte sie mit Blick auf Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds, die als Wirtschaftministerin bei jedem Unternehmensbesuch eine Liste von passenden Frauen dabei hatte.

Prof. Dr. Peter Ruhwedel, wissenschaftlicher Leiter des KCU KompetenzCentrum für Unternehmensführung & Corporate Governance der FOM Hochschule, stellte danach ausgewählte Ergebnisse seines Aufsichtsrats-Scores 2016 vor. Darin nahm er DAX- und MDAX-Unternehmen in puncto Arbeitsweise, Eignung, Diversität und Transparenz unter die Lupe. „Die wachsende Sachorientierung bei der Auswahl von Gremiums-Mitgliedern wird weiter steigen und damit auch die Diversität stärken“, so Ruhwedel. Ein wesentliches Ergebnis seiner Studie sei, dass Aufsichtsräte mit einem höheren Frauenanteil tendenziell besser abschnitten. Auch wenn eine Erhöhung des Frauenanteils nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der Aufsichtsratstätigkeit beitrage, sei dies ein klares Indiz für den Willen des Gremiums, sich weiterzuentwickeln. Zur Weiterentwicklung von Aufsichtsräten in Deutschland gehöre auch, dass Diversität zur Normalität werde.

In der anschließenden lebhaften Podiumsrunde unter der Moderation von Prof. Dr. Anja Seng berichteten erfahrene Aufsichtsrätinnen über die Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind. Neben Fach- und Branchenkenntnissen seien auch unternehmerisches Denken und persönliche Ambitionen wichtig, sagte beispielsweise Dr. Heike Hanagarth, Aufsichtsrätin bei der Lanxess AG. Dr. Marita Krämer, verschiedene Mandate im In- und Ausland, ergänzte, wie wichtig die Voraussetzung ist, Verantwortung übernehmen und mitgestalten zu wollen. Sonja Zollner als Vertreterin der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat der Nokia Solutions & Networks Management GmbH zeigte, wie groß das Spannungsfeld von operativem Tagesgeschäft auf der einen und der Aufsichtsfunktion auf der anderen Seite ist. „Gerade ein Engagement in internen Gremien bietet beste Voraussetzungen, um sich auch für externe Aufsichtsunktionen zu empfehlen.“ Renate Braun, Aufsichtsrätin Donner & Reuschel AG, mahnte abschließend: „Wir können uns nicht auf der Quote ausruhen; wir sind ihr auch verpflichtet.“