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Pressemitteilung: FidAR WoB-Index: Frauenanteil an der Spitze großer Börsenunternehmen sinkt / Weniger Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten

Berlin, 13.01.2026: Der Anstieg des Frauenanteils in den Vorständen und Aufsichtsräten der führenden Börsenunternehmen in Deutschland ist gestoppt. Während im vergangenen Jahr schon die Zahl der Frauen in den Kontrollgremien stagnierte, geht nun auch die Zahl der Frauen auf der Vorstandsebene zurück. Insgesamt sank der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen auf 19,2 Prozent und liegt deutlich unter dem Spitzenwert aus dem Januar 2025 (20,6 %). In den Aufsichtsgremien der derzeit 182 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen stagniert der Frauenanteil bei 37,1 Prozent (Januar 2025: 37,3 %). Das ergibt der zum Jahresende aktualisierte Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 1. Januar 2026.


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Berlin, 13.01.2026: Der Anstieg des Frauenanteils in den Vorständen und Aufsichtsräten der führenden Börsenunternehmen in Deutschland ist gestoppt. Während im vergangenen Jahr schon die Zahl der Frauen in den Kontrollgremien stagnierte, geht nun auch die Zahl der Frauen auf der Vorstandsebene zurück. Insgesamt sank der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen auf 19,2 Prozent und liegt deutlich unter dem Spitzenwert aus dem Januar 2025 (20,6 %). In den Aufsichtsgremien der derzeit 182 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen stagniert der Frauenanteil bei 37,1 Prozent (Januar 2025: 37,3 %). Das ergibt der zum Jahresende aktualisierte Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 1. Januar 2026.

Waren in den vergangenen Jahren die Unternehmen des DAX-40 die Treiber des höheren Frauenanteils, treten die Unternehmen im Leitindex der Deutschen Börse nun auf die Bremse. Wird der DAX-40 gesondert betrachtet, stagniert sowohl der Frauenanteil in den Aufsichtsräten mit 39,6 Prozent (01.01.2025: 39,7 %) als auch der Frauenanteil in den Vorständen mit 25,3 Prozent (01.01.2025: 25,7 %) im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt haben 18 DAX-40-Konzerne zwei oder mehr Frauen im Vorstand – die Chefetagen von Beiersdorf, Merck, MTU Aero Engines und Siemens Healthineers sind paritätisch mit Frauen und Männern besetzt. Das Schlusslicht des DAX-40-Rankings bildet Brenntag mit einem frauenfreien Vorstand. Vier Frauen stehen an der Spitze von DAX-40-Konzernen: Neben Belén Garijo, die seit Mai 2021 die Chefetage von Merck anführt, und Fresenius Medical Care-CEO Helen Giza, die seit Dezember 2022 den Konzern leitet, wurden bei der Commerzbank mit Dr. Bettina Orlopp und mit Karin Rådström bei Daimler Truck bereits im Oktober 2024 zwei Frauen an die Unternehmensspitze der DAX-Konzerne berufen.

Das seit 2022 geltende Mindestbeteiligungsgebot im Vorstand, nach dem in den Vorständen von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern mindestens eine Frau vertreten sein muss, wird nun von allen der aktuell 60 unter die Regelung fallenden Unternehmen erfüllt. Südzucker – im Sommer noch der einzige betroffene Konzern mit frauenfreier Chefetage – hat mit Dr. Theresa von Fugler als CCO seit Oktober 2025 eine Frau im Vorstand.

Monika Schulz-Strelow: „Pflichterfüllung ist zu wenig“

„Stillstand ist bei der gleichberechtigten Teilhabe keine Option und 30 Prozent Frauenanteil reichen nicht aus. Das Ziel bleibt eine paritätische Besetzung der Führungsgremien. Es stehen genügend qualifizierte Frauen für Aufsichtsräte und Vorstände bereit. Insbesondere die Unternehmen, die nicht unter die gesetzlichen Quotenvorgaben fallen, haben weiter großen Handlungsbedarf. Notwendig ist aber der Wille, über die gesetzlichen Mindestquoten hinauszugehen und Strategien für eine paritätische Besetzung der Gremien umzusetzen. Handeln die Unternehmen nicht engagierter, müsste der Gesetzgeber nachschärfen“, betont FidAR-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow.

Anja Seng: „Verbindliche Regeln sollten für mehr Unternehmen gelten“

„Die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen haben gewirkt – sie gelten aber für viel zu wenige Unternehmen. Daher sollten die gesetzlichen Vorgaben mehr Reichweite bekommen. Die Geschlechterquote im Aufsichtsrat sollte auf 40 Prozent erhöht und auf alle börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen ausgeweitet werden. Das Mindestbeteiligungsgebot im Vorstand sollte für dieselben Unternehmen gelten und ebenfalls in eine feste Quote überführt werden. Damit würden deutlich mehr Unternehmen in den gesetzlichen Wirkungsbereich einbezogen. Wenn damit mehr Frauen Leitungspositionen einnehmen, wird die gleichberechtigte Teilhabe auch zur gesellschaftlichen Normalität. In anderen europäischen Ländern wird die EU-Führungspositionenrichtlinie mit einer Geschlechterquote von 40 bzw. 33 Prozent in den Top-Gremien bereits umgesetzt. Die deutsche Wirtschaft sollte sich an den Entwicklungen der europäischen Partner orientieren“, betont FidAR-Präsidentin Prof. Dr. Anja Seng.

Insgesamt zeigt der WoB-Index von FidAR, dass die 2015 mit dem Führungspositionengesetz eingeführte Geschlechterquote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen und das 2021 verabschiedete FüPoG II mit dem Mindestbeteiligungsgebot für Vorstände wirken. Bei den aktuell 100 der Geschlechterquote im Aufsichtsrat unterliegenden Unternehmen ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten (39,2 % - 01.01.2025: 38,4 %) sogar gestiegen, bei den Vorständen dagegen zurückgegangen (22,5 % - 01.01.2025: 23,7 %). Die Frauenanteile der 100 Quoten-Unternehmen sind auch weiterhin deutlich höher als bei den 82 untersuchten Unternehmen, die nicht unter die Quote fallen – hier sind ebenfalls Rückgänge bei den Frauenanteil in den Aufsichtsräten (31,9 % - 01.01.2025: 33,7 %) und in den Vorständen (14,2 % - 01.01.2025: 15,5 %) zu verzeichnen. Bei diesen 82 Unternehmen besteht der größte Nachholbedarf. Die Unterschiede zeigen auch hier, dass die freiwillige Selbstverpflichtung ohne verbindliche Zielsetzungen kaum Wirkung zeigen.

Im Women-on-Board-Index von FidAR werden derzeit (Stand 1. Januar 2026) 182 im DAX, MDAX und SDAX sowie im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen untersucht. Davon unterliegen 100 Unternehmen der Geschlechterquote von 30 Prozent für den Aufsichtsrat, 60 dieser Unternehmen fallen aktuell unter das Mindestbeteiligungsgebot im Vorstand.

Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum Women-on-Board-Index vom Juli 2025 finden Sie unter www.wob-index.de.

Ihre Ansprechpartnerinnen

Prof. Dr. Anja Seng, Präsidentin FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V., Berlin
Tel.: +49 (1 51) 12 54 64 60, E-Mail: anja.seng@fidar.de

Monika Schulz-Strelow, Gründungspräsidentin FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V., Berlin
Tel.: +49 (1 72) 31 16 812 E-Mail: monika.schulz-strelow@fidar.de

Pressekontakt

Matthias Struwe | Eye Communications | Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (7 61) 137 62-21, E-Mail: m.struwe@eyecommunications.de

Über FidAR:

FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V. ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, die 2006 von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen wurde. FidAR strebt eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen und die Verbesserung der Unternehmenskontrolle und -kultur an. Ziel der Initiative, getragen von über 1.400 Frauen und Männern, ist die paritätische Besetzung aller Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. FidAR verfolgt diese Ziele im engen Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und in Kooperation mit den relevanten Wirtschafts- und Frauenverbänden. Mehr Informationen zu FidAR im Internet unter www.fidar.de.