Public Women-on-Board-Index

Methodik

Wie auch im vergangenen Jahr konzentrierte sich die diesjährige Studie auf die Beteiligungen des Bundes und der Länder, wobei die Beteiligungen der Stadtstaaten denen der Bundesländer zugeordnet wurden. Ziel war es, eine größtmögliche Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr und weiter zurückliegenden Studien zu ermöglichen und die Auswahl der Unternehmen auf Bundes- und Länderebene zu konsolidieren. Die Zahl der untersuchten Unternehmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um ein Unternehmen verringert und beträgt nun 262.

Auf Bundesebene wurde die Toll Collect GmbH in die Untersuchung neu aufgenommen, da diese seit dem 1. September 2019 zu 100 Prozent dem Bund gehört. Zwei Unternehmen wurden aus dem Index ausgeschlossen: Zum einen die DFS Aviation Services GmbH, da diese nicht mehr über einen Aufsichtsrat verfügt. Zum anderen die VIFG Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft mbH, die am 01.08.2019 mit der Autobahn GmbH des Bundes verschmolzen wurde. Die Grundgesamtheit der Bundesbeteiligungen sank damit im Vergleich zum Vorjahr von 105 auf 104 Unternehmen.

Bei den Bundesländern gab es im Vergleich zum Vorjahr einige Änderungen. So wurden für Berlin die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wieder in die Untersuchung mit aufgenommen, da es sich hier nach Bilanzsumme (siehe zur Auswahl der Unternehmen nach Bilanzsumme weiter unten) und auch Mitarbeiterzahl um ein besonders relevantes Unternehmen handelt. Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) dagegen wurden aus der diesjährigen Untersuchung ausgeschlossen. Für Rheinland-Pfalz ersetzt die Deula Rheinland-Pfalz GmbH, Lehranstalt für Agrar-und Umwelttechnik den Flughafen Frankfurt-Hahn, an dem das Land Rheinland-Pfalz nach dem Verkauf an einen chinesischen Investor keine Anteile mehr hält.

Umfangreiche Änderungen erfolgten bei den Beteiligungen von Sachsen-Anhalt. Das Landgestüt Sachsen-Anhalt (jetzt: Vermögens-Verwaltungsgesellschaft mbH) sowie die SALUS gGmbH Betreibergesellschaft für sozialorientierte Einrichtungen des Landes Sachsen-Anhalt wurden aufgrund der Auflösung ihrer Aufsichtsräte aus der Untersuchung genommen. Bei der dadurch notwendigen Neufestlegung der Grundgesamtheit für Sachsen-Anhalt wurde auf Basis der aktuellen Bilanzsummen die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH ebenfalls von der Liste gestrichen. Neu hinzugekommen sind im Gegenzug die Salus Altmark Holding gGmbH, das Landesweingut Klosterpforta GmbH sowie die Historischen Kuranlagen und Goethe-Theater Bad Lauchstädt GmbH.

Für Hamburg wurde aufgrund der aktuellen Bilanzsummen die Sprinkenhof GmbH durch die f & w fördern und wohnen AöR ersetzt.

Ferner änderten sich die Namen von drei Unternehmen: Die Energiewerke Nord GmbH (EWN GmbH) wurden in EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen umbenannt, die Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen in LOTTO Hessen GmbH und die Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Thüringen in Thüringer Staatslotterie AöR.

Datenbasis

  • Definition der zu untersuchenden Unternehmen anhand transparenter und nachvollziehbarer methodischer Kriterien.
  • Einbezug von Unternehmen der oberen föderalen Ebenen: Bund und Länder (inkl. Stadtstaaten).
  • Identifizierung der Unternehmen anhand der Beteiligungsberichte und Absicherung durch das jeweils zuständige Beteiligungsmanagement; Erhebung der unmittelbaren Gesellschaftsanteile sowie Berechnung der mittelbaren Beherrschungsquoten.
  • Parallele Überprüfung der Angaben auf den Homepages der Unternehmen sowie in den Jahresabschlüssen aus dem Unternehmensregister.

Unternehmensauswahl im Überblick

  • Bund (104 Unternehmen): Alle Unternehmen mit unmittelbarer Beteiligung des Bundes über 25 Prozent der Gesellschaftsanteile sowie alle vom Bund mittelbar beherrschten Unternehmen (über 50 Prozent) mit eigenem Aufsichtsgremium und Internetauftritt.
  • Bundesländer (158 Unternehmen): Jeweils die gemessen an der Bilanzsumme zehn größten Unternehmen, an denen das Bundesland bzw. der Stadtstaat unmittelbar oder mittelbar (1. Stufe) mit mindestens 50 Prozent beteiligt ist und die über einen eigenen Geschäftsbetrieb, ein Aufsichtsgremium und einen eigenen Internetauftritt verfügen (im Bundesland Brandenburg entsprechen nur acht Unternehmen den Kriterien).

Unternehmen auf Bundesebene (104)

  • Basis: 537 unmittelbare und bedeutende mittelbare Beteiligungen laut Beteiligungsbericht 2019. Von diesen wurden in die Studie aufgenommen:
    • Alle 50 Unternehmen mit unmittelbarer Beteiligung des Bundes in Höhe von mehr als 25 Prozent der Gesellschaftsanteile (umfasst 46 unmittelbare Mehrheitsbeteiligungen).
    • Alle 43 mittelbar beherrschten Unternehmen (mindestens 50 %), soweit sie im Beteiligungsbericht des Bundes als wesentlich eingestuft werden (in den Abschnitten B-N des Beteiligungsberichtes genannt).
    • Alle 11 Unternehmen mit Mehrheitsanteil in öffentlicher Hand, d. h. an welchen der Bund, gemeinsam mit anderen öffentlichen deutschen Anteilseignern aufaddiert, mindestens 50 Prozent hält. Berücksichtigt wurden auch Tochterunternehmen dieser Unternehmen, soweit gemeinsame Mehrheit auch dort noch gegeben ist und soweit sie im Beteiligungsbericht des Bundes als wesentlich eingestuft werden (in den Abschnitten B-N des Beteiligungsberichtes genannt).
  • Es wurden alle inländischen Rechtsformen in den drei oben definierten Gruppen einbezogen.
  • Sondervermögen wurden für die Frage der Beherrschung nicht als getrennt vom restlichen Haushalt betrachtet, d. h. die Anteile wurden mit den regulären Anteilen des Bundes zusammengerechnet (z. B. ERP Sondervermögen bei der KfW).
  • Finanzmarktstabilisierungsfonds und Restrukturierungsfonds für Kreditinstitute wurden nicht berücksichtigt, weil sie eher den Charakter eines Sondervermögens des Bundes und nicht eines Unternehmens besitzen; aber ihre Tochterunternehmen wurden in die Studie mit einbezogen.
  • Einbezogen wurden nur Unternehmen mit eigenem Aufsichtsgremium und eigener Homepage. Als Aufsichtsgremium werden auch Verwaltungsräte, Kuratorien oder Beiräte gewertet, wenn diese nach den Angaben die Aufgaben eines Aufsichtsgremiums erfüllen.

Unternehmen der Bundesländer und Stadtstaaten

  • Bundesländer: Jeweils die zehn größten unmittelbaren Unternehmen bzw. mittelbaren Unternehmen der 1. Ebene, an welchen das jeweilige Bundesland mindestens 50 Prozent der Gesellschaftsanteile direkt bzw. indirekt hält, und die über einen eigenen Geschäftsbetrieb (mehr als zwei hauptamtliche Mitarbeiter), ein Aufsichtsgremium sowie eine eigene Unternehmens-Homepage verfügen.
  • Falls ein Unternehmen bereits im Public WoB-Index 2019 berücksichtigt war, hatte dieses Vorrang bei der Unternehmensauswahl, um einen Jahresvergleich zu ermöglichen.
  • Die Unternehmensgröße wurde anhand der Bilanzsumme gemessen.
  • Beschränkung auf die Rechtsformen AG, GmbH, gGmbH, Anstalt des öffentlichen Rechts sowie Körperschaft des öffentlichen Rechts, aufgrund der Relevanz der Unternehmen nach Größe, der Vergleichbarkeit der Organstrukturen und des Studienrahmens.
  • Nicht aufgenommen wurden nach Ausschlusskriterien: Stiftungen, GmbH & Co. KG, Eigenbetriebe und eigenbetriebsähnliche Einrichtungen sowie Unternehmen, welche sich in Gründung oder in Liquidation befinden.
  • Zur Vergleichbarkeit der Strukturen wurden Unternehmen der 2. mittelbaren Ebene ebenfalls bei der Auswahl berücksichtigt, wenn diese direkt unter einer speziell für die Steuerung und Verwaltung von öffentlichen Beteiligungen zuständigen Beteiligungsmanagementgesellschaft angesiedelt sind, welche sich zu mindestens 90 Prozent im Besitz der Gebietskörperschaft befindet.
  • In einigen Bundesländern sind alle großen Beteiligungen direkt unter dem Beteiligungsmanagement angesiedelt, in anderen direkt an die Gebietskörperschaft angeschlossen. Durch die oben beschriebene Vorgehensweise ist nach klaren und transparenten Kriterien sichergestellt, dass jeweils die größten Unternehmen mit Aufsichtsgremium in die Auswahl aufgenommen wurden.
  • Öffentliche Banken sind in der Untersuchung integriert, wenn die aufgeführten Kriterien erfüllt sind.
  • Im Fall von Bremen werden zur besseren Vergleichbarkeit für die Frage der Beherrschung die Anteile von Land und Stadtgemeinde zusammengelegt.
  • Mit Ausnahme von Brandenburg konnte für alle Gebietskörperschaften die erforderliche Anzahl von Unternehmen ermittelt werden.

Vorgehensweise Datenerhebung

  • Auswahl der Unternehmen, welche in dieser Studie befragt wurden, basierend auf der Datengrundlage des Vorjahres und Überprüfung der Bilanzsumme.
  • Anschreiben des jeweiligen Beteiligungsmanagements zur Prüfung und gegebenenfalls Korrektur der Unternehmensauswahl sowie zur Ermittlung der Zusammensetzung der Aufsichtsgremien und Top-Managementorgane.
  • Zusätzliche Recherche anhand aktueller Beteiligungsberichte.
  • Anschreiben der Unternehmen, die Daten auf Aktualität zu prüfen und zu ergänzen. Stichtag für die Zusammensetzung der Organe war 1. Januar 2020.
  • Insgesamt haben sich 103 Unternehmen (39,3 %) an der Prüfung ihrer Daten beteiligt. Die Rücklaufquote ist somit im Vergleich zum Vorjahr zwei Prozentpunkte niedriger (2019: 41,3 %). Vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie, welche die befragten Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellte, kann die erzielte Rücklaufquote immer noch als sehr hoch eingestuft werden. Einreichungsfrist für die Rückmeldungen war 28. April 2020.
  • Recherche über die Zusammensetzung der Unternehmensorgane parallel zur Abfrage anhand aktueller, öffentlich verfügbarer Daten (Internetseiten der Unternehmen, Jahresabschlüsse, Beteiligungsberichte).

Für die Auswertung wurden die jeweils neuesten verfügbaren Datenquellen genutzt. Neben der Meldung der Unternehmen selbst sind dies insbesondere die Angaben des Beteiligungsmanagements (Meldung Anteilseigner) sowie die Internetseiten der Unternehmen, die weitgehend den aktuellen Stand widerspiegeln. Für das Top-Managementorgan konnte auf Grundlage dieser Datenquellen für alle Unternehmen die aktuelle Zusammensetzung ermittelt werden.

Zu allen Unternehmen in dieser Studie gibt es entweder eine Rückmeldung der Unternehmen oder die relevanten Informationen wurden über öffentlich zugängliche Quellen recherchiert. Wenn eine Recherche der aktuellen Einzelangaben nicht möglich war, wurden die Daten aus dem Vorjahr übertragen.

Die sich bei der Berechnung der Steigerungswerte zum Vorjahr ergebenden Rundungsdifferenzen wurden in den Rankings nicht bereinigt. In Überblicksgrafiken wurden dagegen bei Steigerungswerten die Nachkommastellen angepasst.

Die Datenerhebung und Datenauswertung erfolgte durch die von FidAR e. V. beauftragte Kooperationspartnerin, Univ.-Prof. Dr. Michèle Morner und das Team vom Wissenschaftlichen Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance [wifucg].

Die Daten wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erhoben und dokumentiert. FidAR e. V. schließt jedoch jede Haftung für unrichtige oder unvollständige Daten aus.