Public Women-on-Board-Index

Der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der größten öffentlichen Unternehmen ist erstmals über die 30-Prozent-Marke gestiegen – und liegt mit dem durchschnittlichen Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX-Unternehmen gleichauf. Wie im Vorjahr bereits festgestellt, hat das Engagement der öffentlichen Beteiligungen, ihrer Vorbildfunktion in Fragen der Corporate Governance und der gleichberechtigten Teilhabe gerecht zu werden, aber spürbar nachgelassen. In den Top-Managementorganen ist der durchschnittliche Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken – trotz des politisch vorgegebenen Ziels, die gleichberechtigte Teilhabe gerade in öffentlichen Unternehmen durchzusetzen.

Der vorliegende sechste Public Women-on-Board-Index von FidAR stellt die größte repräsentative Studie zur Diversity im öffentlichen Sektor dar, auch wenn die Anzahl der untersuchten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr (424) auf 263 gesunken ist. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass in diesem Jahr nur Bundes- und Landes- und nicht mehr die größten kommunalen Unternehmen der Landeshauptstädte wie in den vergangenen Jahren mit einbezogen wurden. Jedoch lagen die Zahlen der untersuchten kommunalen Beteiligungen in den Landeshauptstädten bislang nur unwesentlich über den durchschnittlichen Werten für die Bundes- und Landesbeteiligungen, so dass ein Vergleich mit den Vorjahreswerten möglich ist.

Während das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Füh­rungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst vom Mai 2015 in der Pri­vatwirtschaft dafür gesorgt hat, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der von der festen Quote betroffenen 105 Unternehmen signifikant gestiegen ist, ist von der Regelung im Bundesgremienbesetzungsgesetz, wonach seit dem vergangenen Jahr 50 Prozent der vom Bund in die Aufsichtsgremien entsendeten Vertretungen Frauen sein sollen, anschei­nend noch kein wesentlicher Impuls für eine Verbesserung des Frauenanteils im Gesamt­gremium ausgegangen. In den 105 untersuchten Bundesbeteiligungen liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien nahezu auf gleicher Höhe wie bei den Beteiligungen der Länder.

Auch die Pflicht für 124 und damit fast die Hälfte der untersuchten Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmt sind, Zielgrößen für das Aufsichtsgremium, das Top-Managementorgan und die obersten zwei Managementebenen festzulegen, hat bislang nicht zu einer gleichberechtigten Aufnahme von Frauen und Männern in Spitzenpositionen geführt. Das mittelfristige Ziel einer paritätischen Zusammensetzung der Gremien wird also nur mit erheblich gesteigerten Anstrengungen zu erreichen sein.

Die Rankings des Public WoB-Index sorgen für Transparenz bei der gleichberechtigten Teilhabe im öffentlichen Sektor. Sie zeigen, dass die Unternehmen der Öffentlichen Hand in Diversity-Fragen dabei sind, ihren Vorsprung gegenüber der Privatwirtschaft einzubüßen.

Die detaillierte Studie zum Public WoB-Index können Sie hier herunterladen.