Public Women-on-Board-Index

Die Dynamik bei der Stärkung des Frauenanteils in Führungspositionen hat bei den Unternehmen der öffentlichen Hand spürbar nachgelassen. Der durchschnittliche Frauen-anteil in den Aufsichtsgremien der größten öffentlichen Unternehmen liegt mit dem der Privatwirtschaft gleich auf: Bei 32,2 Prozent. Nur die stärker in der Öffentlichkeit stehenden unmittelbaren Beteiligungen des Bundes haben mit 38,5 Prozent eine höhere Präsenz von Frauen in Aufsichtsgremien und liegen sogar vor den unter die Quote fallenden 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Konzernen, die 35,2 Prozent Frauenanteil erreichen.

Gleiches gilt für den Frauenanteil im Top-Managementorgan: Die unmittelbaren Beteiligungen des Bundes liegen mit einem Frauenanteil von 24,8 Prozent deutlich vorne, während der durchschnittliche Frauenanteil in den Top-Managementorganen bei 22 Prozent liegt – bei einem starken Anstieg zum Vorjahr von 4 Prozentpunkten. Damit haben die größten öffentlichen Unternehmen mehr als doppelt so viele Frauen in der operativen Führungsetage wie die Unternehmen der Privatwirtschaft mit 10,7 Prozent.

So zeigt sich: Gleichberechtigte Teilhabe braucht gesetzlichen Druck. Die Regelung des Bundesgremienbesetzungsgesetzes (BGremBG), wonach ab 2018 die Hälfte der vom Bund in die Aufsichtsgremien entsendeten Vertretungen Frauen sein sollen, entfaltet eine ähnliche Wirkung wie die Frauenquote für börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen. Ein Großteil der öffentlichen Unternehmen fällt allerdings nicht unter die gesetzlichen Regelungen, das BGremBG greift für weniger als die Hälfte der untersuchten Bundesbeteiligungen.

Ernüchternd ist der Umgang von öffentlichen Unternehmen mit den verpflichtend für das Aufsichtsgremium, Top-Managementorgan und die obersten zwei Managementebenen festzulegenden Zielgrößen. Etwa die Hälfte der hier untersuchten Unternehmen ist börsennotiert oder mitbestimmt und fällt unter die Zielgrößenpflicht. Die bislang veröffentlichten Daten lassen nicht erkennen, dass mit der Definition von Zielgrößen auch eine Stärkung der gleichberechtigten Teilhabe angestrebt wird. Zudem könnte man bei den öffentlichen Unternehmen, die unter die Zielgrößenpflicht fallen, deutlich mehr Transparenz für die gewählten Zielgrößen erwarten. Positiv anzumerken ist, dass sich einige Unternehmen, die nicht börsennotiert oder mitbestimmt sind, dennoch freiwillig in puncto gleichberechtigter Teilhabe engagieren und Zielgrößen setzen.

Mit dem siebten Public Women-on-Board-Index legt FidAR die führende repräsentative Untersuchung zu Diversity im öffentlichen Sektor vor. Die Rankings nach dem Frauenanteil in Aufsichtsgremien und Top-Managementorganen und die detaillierte Untersuchung zur Entwicklung des Frauenanteils in Führungspositionen sowie der Zielgrößen sorgen für notwendige Transparenz bei der gleichberechtigten Teilhabe im öffentlichen Sektor. Offensichtlich wird: Wenn die öffentlichen Unternehmen ihrem Vorbildcharakter auch bei der Chancengleichheit von Frauen und Männern gerecht werden wollen, müssen sie mehr für Diversity tun. Denn von der angestrebten paritätischen Besetzung der Gremien sind sie weiterhin weit entfernt.

Die detaillierte Studie zum Public WoB-Index können Sie hier herunterladen.