Public Women-on-Board-Index

Die öffentlichen Unternehmen stehen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit den Unternehmen der Privatwirtschaft in nichts nach. Der Unternehmensführung in diesen Beteiligungen von Bund, Ländern und Kommunen kommt ebenso eine Vorbildfunktion zu. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Umsetzung des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst vom Mai 2015, das zum Teil auch die öffentlichen Unternehmen mit einschließt.

Der vierte Public Women-on-Board-Index von FidAR zeigt, dass die öffentlichen Unternehmen dieser Verantwortung auf den ersten Blick immer stärker gerecht werden. Im Dreijahresvergleich ist der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der von FidAR untersuchten 415 größten öffentlichen Unternehmen um 5 Prozentpunkte auf nunmehr 29,7 Prozent gestiegen. Die Mindestquote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten, die das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe den börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen vorschreibt, wird also im Durchschnitt fast erreicht. Der Frauenanteil in den Top-Managementorganen liegt mit 17,3 Prozent mehr als doppelt so hoch als in den DAX-Konzernen – bei einem mäßigen Anstieg um 3,2 Prozentpunkte seit 2014.

Die Detailbetrachtung des Public WoB-Index offenbart jedoch den weiterhin bestehenden Handelsbedarf. Die feste Mindestquote von 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat gilt nur für börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen – Beteiligungen von Bund, Ländern und Kommunen sind kaum betroffen. Die Unternehmen des Bundes sind nach dem Bundesgremienbesetzungsgesetz verpflichtet, mindestens 30 Prozent der vom Bund zu besetzenden Aufsichtsratspositionen mit Frauen zu besetzen. Für die Unternehmen, die der Mitbestimmung unterliegen, gilt darüber hinaus aber auch die Vorgabe, Zielgrößen für den Frauenanteil in den Aufsichtsgremien und Top-Managementorganen sowie auf der 1. und 2. Managementebene zu definieren und im Lagebericht zu veröffentlichen. Die Unternehmen formulieren allerdings, wenn überhaupt, meist nur niedrige Zielgrößen. Vom Ziel einer paritätischen Zusammensetzung der Gremien, wie sie sich aus dem Bundesgremienbesetzungsgesetz und einigen Gleichstellungs- bzw. Gremienbesetzungsgesetzen der Länder und Kommunen ergeben, sind die öffentlichen Unternehmen zum größten Teil noch weit entfernt.

Die Rankings des Public WoB-Index bilden die empirische Messlatte und schaffen somit Transparenz für die gleichberechtigte Teilhabe im öffentlichen Sektor. Jedes Unternehmen kann ablesen, wo es steht. Öffentliche Unternehmen, die im Ranking die unteren Plätze einnehmen, sollten mit ambitionierten Zielgrößen ein Zeichen für mehr Vielfalt in den Führungsetagen setzen.

Wir danken den Unternehmen und Behörden, die uns bei der Recherche und Befragung für den Public WoB-Index unterstützt haben, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das den Public WoB-Index fördert, Prof. Dr. Ulf Papenfuß und seinem Team von der Zeppelin Universität, die das Projekt wissenschaftlich begleiten, und unserem Projektpartner Matthias Struwe von Eye Communications für die gemeinsame Konzeption und Umsetzung.

Die detaillierte Studie zum Public WoB-Index können Sie hier herunterladen.