Public Women-on-Board-Index

Die Vorbildfunktion öffentlicher Unternehmen bei der Corporate Governance ist unbestritten. Dies gilt in besonderem Maße bei der Zusammensetzung der Führungsgremien der Beteiligungen von Bund, Ländern und Kommunen. Mit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) vom Mai 2015 zielte die Bundesregierung zwar insbesondere darauf ab, den Frauenanteil in Spitzenpositionen der börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen der Privatwirtschaft zu erhöhen. Die gesetzliche Regelung beinhaltete aber auch erhöhte Anforderungen an die Vielfalt in Aufsichtsgremien und Top-Managementorganen der Unternehmen der Öffentlichen Hand.

Die breite Diskussion in den Medien hat schon im Vorfeld der Verabschiedung des FüPo-Gesetzes dafür gesorgt, dass deutlich mehr Frauen in Spitzengremien entsandt wurden. Der vorliegende fünfte Public Women-on-Board-Index von FidAR zeigt aber, dass der Elan zuletzt nachgelassen hat. Der Zuwachs des Frauenanteils in den Aufsichtsgremien und Top-Managementorganen der öffentlichen Unternehmen stagniert in ähnlicher Weise wie in der Privatwirtschaft. Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der in diesem Jahr 424 untersuchten öffentlichen Unternehmen liegt auf Vorjahresniveau bei 29,7 Prozent. In den Top-Managementorganen sind nur 18,8 Prozent Frauen vertreten. Als positiv ist aber festzuhalten, dass der Frauenanteil in den Ausschüssen der Aufsichtsgremien steigt.

Während die gesetzliche Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten nur für zwei der untersuchten 424 Unternehmen gilt, mussten 120 der 424 Beteiligungen 2015 Zielgrößen für das Aufsichtsgremium, das Top-Managementorgan und die obersten zwei Managementebenen festlegen, weil sie börsennotiert oder mitbestimmt sind. Von 56 der 120 Unternehmen lagen Zielgrößen vor und wurden in dieser Studie eingehend analysiert. Darüber hinaus übermittelten weitere 41 Unternehmen im Rahmen der Befragung Zielgrößen, obwohl sie dazu gar nicht verpflichtet sind. Diese Entwicklung stimmt zuversichtlich, dass öffentliche Unternehmen ohne gesetzlichen Druck das Instrument der Zielgrößen als Mittel zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe nutzen.

Hinzu kommt, dass ab diesem Jahr nach dem Bundesgremienbesetzungsgesetz 50 Prozent der vom Bund in die Aufsichtsgremien entsendeten Vertreter Frauen sein sollen. Bislang ist dies nur bei 9 der hier untersuchten 106 Bundesbeteiligungen der Fall. Es gibt also keinen Grund für die Unternehmen, sich eine Diversity-Pause zu gönnen. Das Ziel einer paritätischen Zusammensetzung der Gremien bedarf noch weit mehr Anstrengungen.

Die Rankings des Public WoB-Index bilden den Gradmesser für die gleichberechtigte Teilhabe im öffentlichen Sektor. Niedrig platzierte Unternehmen sollten sich fragen, wie sie eine Steigerung erreichen können, um mehr Vielfalt zu dokumentieren.

Die detaillierte Studie zum Public WoB-Index können Sie hier herunterladen.