Women-on-Board-Index 185

Das Jahr 2018 ist für die Entwicklung des Frauenanteils in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft in mehrfacher Hinsicht bedeutend: Erstens haben drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen mehr als die Hälfte der Unternehmen, die die gesetzliche Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten bei der Neubesetzung erreichen müssen, ihre Kontrollgremien neu gewählt. Der Anteil der Unternehmen aus dieser Gruppe, die nominell die 30-Prozent-Marke noch nicht erreicht haben, ist auf etwa ein Drittel gesunken. Durchschnittlich erreichen die aktuell 104 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen einen Frauenanteil im Aufsichtsrat von 30,9 Prozent. Die gesamten 186 im DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und die im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen kommen auf durchschnittlich 28,1 Prozent. Vor diesem Hintergrund kann die Einführung der gesetzlichen Quote zahlenmäßig als Erfolg verbucht werden. Inwieweit sich damit auch ein Kulturwandel in den Kontrollgremien vollzieht, bleibt weiter zu untersuchen.

Zweitens ziehen wir Bilanz bezüglich der bis September 2015 festgelegten und bis Juni 2017 zu erreichenden Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den zwei obersten Führungsebenen. Auch wenn die Frist kurz und die Ziele eher wenig ambitioniert waren: Der Gesetzgeber hat damit die Diskussion über den angemessenen Frauenanteil in die Führungsgremien der Unternehmen hineinverlagert. Mittlerweile liegen von über der Hälfte der Unternehmen die im Jahr 2017 definierten, neuen Zielgrößen vor. Die Zahl der Unternehmen, die für die Vorstandsebene mit der Zielgröße Null planen, ist gegenüber der im Jahr 2015 gesunken. Der Rückgang fällt aber weniger stark aus als erwartet. Dennoch ist von den neuen, insgesamt etwas ambitionierteren Zielgrößen ein stärkerer Impuls für mehr Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft zu erwarten. Da der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorsieht, künftig die Nichteinhaltung der Meldepflicht für Zielvorgaben für Vorstände und Führungsebenen und die Begründungspflicht bei Zielvorgabe „Null“ zu sanktionieren, wird auf den Umsetzungen und Neufestlegungen der Zielgrößen ein verstärktes Augenmerk von FidAR liegen.

Der vorliegende zweite Women-on-Board-Index 185 umfasst die 160 DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen des WoB-Index 160 und die aktuell 104 von der Geschlechterquote betroffenen börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Die Studie ermöglicht, die Entwicklung bei den der Quote unterliegenden Unternehmen mit der der nicht unter die Quote fallenden Konzerne zu vergleichen. So wird die Wirkungsweise der gesetzlichen Quote transparent.

Die detaillierte Studie zum WoB-Index 185 können Sie hier herunterladen.